Sommer am See – Ein Ausblick auf die Bregenzer Festspiele 2025
Shownotes
Mit: Maria Gnann (Moderation) und Florian Amort (Chefdramaturg der Bregenzer Festspiele) Länge: 35 Minuten Erscheinungsdatum: 31. März 2025
Infos & Tickets: www.bregenzerfestspiele.com
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00:00:00: Hörspiele. Ein Podcast der Bregenzer Festspiele.
00:00:10: [Musik]
00:00:37: [Maria Gnann] Es wird schaurig romantisch, aber auch märchenhaft und poetisch, mythologisch und zeitgenössisch.
00:00:44: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Saison bei den Bregenzer Festspielen.
00:00:49: Mein Name ist Maria Gnann, ich bin Musikjournalistin und ich sitze hier mit Florian Amort,
00:00:54: dem Chefdramaturgen der Bregenzer Festspiele, dem ich gleich Löcher in den Bauch fragen darf.
00:00:59: Warum sollte man in diesem Jahr nach Bregenz fahren, wie sieht die Handschrift der neuen Intendanz aus
00:01:04: und was sollte man auf keinen Fall verpassen? Darüber reden wir gleich. Hallo Florian.
00:01:10: [Florian Amort] Hallo Maria.
00:01:11: [Maria Gnann] Bregenzer Festspiele, das ist diese einmalige Naturbühne auf dem Bodensee mit einem Festspielhaus,
00:01:18: ein modernes Gebäude aus Beton und Glas, das in die riesige Außentribüne übergeht.
00:01:24: Von dort kann das Publikum auf den See blicken und den sich dunkel färbenden Sommerhimmel beobachten.
00:01:30: Aber meistens bannen schon die sagenhaften riesigen Bühnenbilder den Blick und die Sängerinnen und Sänger lassen den Atem stocken.
00:01:37: Oder wie die Passauer Neue Presse schreibt: "Wer hier keinen Spaß hat, der hat das Staunen verlernt." [Musik]
00:01:59: [Maria Gnann] Lilli Paasikivi, die neue Intendantin, stellt die Saison folgendermaßen vor:
00:02:04: Das Programm ist ein Bekenntnis zur Kunst des Geschichtenerzählen. Was heißt das konkret, Florian?
00:02:11: [Florian Amort] Das ist so ein unschuldiger Satz, der daherkommt, hat es aber wirklich in sich.
00:02:15: Ich würde mal einfach anfangen und sagen, es ist mal eine Selbstvergewisserung für uns.
00:02:20: Was wollen wir, was ist unser Anspruch?
00:02:22: Wir sind ein Festival, das letztes Jahr 269.000 Besucherinnen und Besucher hatte.
00:02:29: Also ein ganz großes Festival, für das wir 4,5 Wochen spielen.
00:02:33: Wir glauben aber auch an Geschichten, an starke Geschichten, an Geschichten, nicht nur auf der Opernbühne, sondern auch musikalische Partituren, also Geschichten in Konzertstücken.
00:02:46: [Maria Gnann] Entschuldigung, was heißt es ihr glaubt an Geschichten? Also was ist die Macht einer Geschichte?
00:02:51: [Florian Amort] Ja, und das ist dann die andere, der komplizierte Teil wahrscheinlich.
00:02:56: Geschichten zu erzählen ist ja ein bisschen schwierig heutzutage.
00:03:01: Wir leben in einer sehr komplex gewordenen Welt, oder die Welt war früher wahrscheinlich auch schon komplex, aber wir haben sie nicht so bewusst wahrgenommen.
00:03:09: Und es gibt alternative Erzählungen, verschiedenste Sichtweisen.
00:03:13: Also das Lineare erzählen ist schwierig geworden, weil es zu viele Möglichkeiten gibt, die Welt erklären zu können.
00:03:23: Und wir haben Geschichten gefunden oder präsentieren Geschichten, die anders funktionieren.
00:03:31: Es geht also wirklich um konsequentes Handeln, es geht um Folgen des Handelns.
00:03:37: Und darin sehen wir schon auch eine ganz starke Kraft eigentlich, um auch viele Leute abzuholen mit allgemeingültigen Geschichten.
00:03:47: [Maria Gnann] Was ist eine Geschichte, die sich noch gültig erzählen, das kannst du mal ein Beispiel nennen?
00:03:51: [Florian Amort] Ich denke zum Beispiel unsere Opern im Festspielhaus, das ist Oedipe von George Enescu.
00:03:57: Und das griechische Theater, das hat jetzt nichts mit uns per se zu tun.
00:04:02: Also Oedipus bringt unwissend seinen Vater um und heiratet seine Mutter und zeugt vier Kinder.
00:04:08: Das ist jetzt nichts, was jemand von uns machen würde, gehe ich mal von aus.
00:04:12: Viel wichtiger ist aber in der griechischen Tragödie, dass man Menschen sieht, die eigentlich gut sind,
00:04:19: aber dadurch, dass sie eigentlich was Gutes machen, immer noch tiefer in die Tragödie reingehen.
00:04:25: Zum Beispiel Oedipe flieht vor seinen Adoptiveltern, weil er sagt, er möchte nicht diese Schicksal haben und sie umbringen
00:04:32: und flieht dann in eine andere Stadt und trifft dann genau dort seinen Vater, obwohl er gar nicht weiß, dass es sein Vater ist.
00:04:39: Also die Tragödie im griechischen Sinne zeigt eigentlich das Scheitern.
00:04:45: Und es gibt, wenn man von Aristoteles ausgeht, diese Idee, dass man durch Mitleid und durch Schauer eine Reinigung erfährt, die Katharsis.
00:04:54: Und das kann man sich, glaube ich, darauf einigen, aber was das eigentlich bedeutet, vor was man eigentlich gereinigt werden soll,
00:05:02: das ist schon wieder sehr kompliziert, sind es Egoismen, sind es eigene Ängste, ist es eine alternative Möglichkeit,
00:05:10: dass man vielleicht auch Mitleid empfindet oder dass man im besten Sinne zu einem menschlichen Wesen wird,
00:05:16: dass man auf seine Mitmenschen achtet.
00:05:18: Das ist vielleicht eine Utopie, die wir tatsächlich heute noch aus der griechischen Tragödie lernen könnten.
00:05:24: [Maria Gnann] Ja, Katharsis ist spannendes Stichwort, weil mir aufgefallen ist, dass sich so was tatsächlich bei mir einstellt,
00:05:29: wenn ich in einem richtig tollen Theaterabend sitze.
00:05:32: Also da habe ich das bis jetzt auf jeden Fall immer wieder erlebt, dass ich das Gefühl hatte,
00:05:36: das hat so eine richtig reinigende Wirkung und zoomt mich total raus aus bestimmten Themen,
00:05:41: mit denen ich mich aktuell beschäftige, weil sie eben auf eine abstrakte Art und Weise dargestellt werden
00:05:46: und ich mich darin spiegeln kann, wenn ich es möchte, oder mich auch einfach komplett in das Schicksal anderer hineinbegeben kann
00:05:54: und trotzdem super viel mitnehmen kann, an Fragen über das Leben und so.
00:05:59: Deswegen finde ich das sehr spannend, dass du das gerade gesagt hast.
00:06:02: [Florian Amort] Das Spannende ist ja, durch Kunst kann man ja tausend Tode sterben
00:06:06: und ich muss am Ende trotzdem nur einen einzigen sterben.
00:06:09: Also man hat die Möglichkeit, sich wirklich in Rollen reinzudenken, reinzufühlen
00:06:14: und es ist ein Gegenentwurf zu unserer aktuellen Zeit, finde ich.
00:06:20: Wir leben in unseren Communities, jeder macht sich kleiner.
00:06:24: Gleichzeitig haben wir auch, was mich sehr berührt, diese Einsamkeitsstudien.
00:06:29: Also auf der einen Seite sind wir wahnsinnig vernetzt in dieser Welt und fühlen uns einsam
00:06:34: und das ist ein Widerspruch und ich glaube schon, dass das Theater oder die Oper, Kulturinstitutionen
00:06:40: im besten Sinne auch Menschen wieder zusammenbringen kann.
00:06:43: Man schaut sich etwas gemeinsam an, man kommt darüber ins Gespräch
00:06:47: und überlegt, was wird denn da eigentlich verhandelt.
00:06:50: Und Festspiele, das ist eben, was ich noch wichtig finde,
00:06:54: wir haben so viele Besucher, wir haben so unterschiedliche Audiences
00:06:59: und die sollen wir alle ansprechen, aber halt nicht nur immer jeden bedienen
00:07:03: in seiner eigenen Welt, sondern halt auch was Überzeitliches schaffen.
00:07:08: [Maria Gnann] Die Bregenzer Festspiele wollen also Geschichten erzählen
00:07:11: und man könnte vielleicht dazu sagen, dass manche Geschichten auch einen finnischen Touch erhalten,
00:07:17: denn Lilli Paasikivi stammt aus Finnland
00:07:20: und es lesen sich, wenn man die Programmbroschüre durchblättert, auch einige finnische Namen,
00:07:27: wie zum Beispiel Jukka-Pekka Saraste, ein Dirigent aus der berühmten finnischen Dirigentenschmiede,
00:07:35: aber auch viele weitere Namen, gibt es darunter jemanden, auf denen du besonders gespannt bist,
00:07:41: gerade unter diesen finnischen Namen Florian?
00:07:44: [Florian Amort] Ja, ich würde Tero Saarinen nennen, ein Choreograf und Tänzer, der ganz tolle Abende zaubert,
00:07:51: so Gesamtkunstwerke, wo Tanz, Musik, Lyrik, Bühnenbild zusammenkommen
00:07:58: und wenn ich noch ein Wort sagen darf zu dem finnischen,
00:08:02: Schwerpunkt kann man ja gar nicht nennen, aber wir kommen alle aus unterschiedlichen Kreisen,
00:08:06: aus unterschiedlichen Ländern, ich könnte dir auch Geschichten erzählen, die du wahrscheinlich nicht kennst,
00:08:11: weil ich einfach woanders groß geworden bin und Geschichten erzählen.
00:08:15: [Maria Gnann] Berchtesgaden meets Freiburg, gar nicht mal so weit weg.
00:08:18: Gar nicht so weit, aber Welten dazwischen.
00:08:21: [Florian Amort] Aber Geschichten geben natürlich auch die Möglichkeit, in andere Kulturen einzutauchen,
00:08:27: in anderen Sphären überhaupt neugierig zu sein.
00:08:32: Ich finde für mich sind Geschichten auch immer so ein Element, um Neugierde zu wecken,
00:08:35: um nochmal zu überlegen, was gibt es eigentlich sonst noch auf dieser Welt?
00:08:39: Also über den eigenen Tellerrand hinaus schauen, finde ich ein bestes Mittel,
00:08:44: sind wirklich Geschichten erzählen.
00:08:46: [Maria Gnann] Was ja vielleicht gar nicht alle wissen, es gibt in Bregenz natürlich Opern,
00:08:50: also Musiktheater, aber auch Tanz, wie Florian gerade schon erzählt hat,
00:08:54: Schauspiel, Konzerte und ein großes Programm für Kinder, die Jungen Festspiele
00:08:59: und ein Orchester in Residenz, die Wiener Symphoniker.
00:09:02: Und gleich legen wir richtig los und stellen die einzelnen Produktionen ein bisschen vor.
00:09:08: Aber bevor wir anfangen, habe ich noch eine Frage.
00:09:10: Und zwar Florian, was machst du als Chefdramaturg der Bregenzer Festspiele eigentlich genau?
00:09:16: [Florian Amort] Ja, ich glaube die Stelle des Dramaturgen ist am Theater immer sehr von der Persönlichkeit abhängen.
00:09:23: Wer sie ausfüllt, also es gibt wahrscheinlich ganz unterschiedliche Definitionen.
00:09:28: Bei mir ist es so, ich bin auf der einen Seite, schaue ich auf das große Ganze,
00:09:34: was Programm angeht, was aber auch inhaltliche Sachen angeht.
00:09:38: Ich bin in gewisser Weise auch Anwalt für Stücke.
00:09:41: Also ich schaue mir auch Stücke an und überlege, können die passen, können die nicht passen.
00:09:46: Wo muss man vielleicht einem Regieteam drauf hinweisen, was sind vielleicht Schwierigkeiten?
00:09:51: [Maria Gnann] Könnte man sagen, du beschäftigst dich sehr intensiv mit dem Inhalt dieser Werke und kommunizierst darüber?
00:09:58: [Florian Amort] Genau, einerseits, sage ich mal intern in die Unternehmung hinein, aber auch in die Regie-Teams
00:10:04: und auch extern für unser Publikum, was es halt spannend ist, über diese Stücke zu erzählen gibt.
00:10:11: Du übernimmst im Sommer die Dramaturgie für die Neuproduktion.
00:10:17: Ich habe gesehen, im Festspielhaus wird es zur Eröffnung am 16. Juli eine ganz frische Inszenierung geben.
00:10:23: Oedipe von George Enescu, ein rumänischer Komponist, Geiger und Pädagoge,
00:10:30: er hat zum Beispiel auch den berühmten Geiger Yehudi Menuhin unterrichtet
00:10:34: und er hat wirklich sehr, sehr tolle Musik geschrieben.
00:10:38: Aber seine Oper, die auf Sophokles Ödipus zurückgeht, wird jetzt nicht so oft gespielt,
00:10:44: obwohl sie sehr gelobt wird, aber sie ist anscheinend musikalisch sau-schwierig, sehr salopp gesagt.
00:10:51: Was genau ist daran so schwer, Florian?
00:10:54: [Florian Amort] Es ist vor allem ein wahnsinnig großer Chor von Nöten.
00:10:59: Wir haben 68 Chorsänger auf der Bühne, wir haben ein großes Solisten-Ensemble
00:11:05: und die Partie ist auch sehr schwer, also die Titelpartie Oedipe ist schwer zu singen
00:11:10: und auch das Orchester ist nicht zu unterschätzen. Es gibt sehr viele Sonderinstrumente,
00:11:14: es gibt gleich drei Tasteninstrumente, Orgel, Klavier, Celesta, die müssen alle im Orchestergraben Platz finden.
00:11:21: Es ist also eine Oper, die sehr viel Aufwand verlangt, für eine sehr reiche, wahnsinnig spannende, tolle Musik
00:11:31: und eine neue Programmrichtung von Lilli Paasikivi ist selten gespielte Meisterwerke des 20. Jahrhunderts
00:11:39: und da ist eben als erster Titel Oedipe von Enescu da gestanden.
00:11:44: [Maria Gnann] 1936 wurde Oedipe uraufgeführt, sie ist ungefähr vor 100 Jahren entstanden.
00:11:51: Wie klingt diese Musik? Du klangst gerade schon sehr begeistert,
00:11:55: vielleicht kannst du sie uns noch ein bisschen genauer beschreiben. Wie ist dieser Stil?
00:11:59: [Florian Amort] Es ist einfach eine sehr luxuriöse Orchestrierung, also es geht um Farben, es geht um Klangpaletten,
00:12:07: es geht um eigentlich dieses Stück Ödipus in allen möglichen Möglichkeiten und unmöglichen Möglichkeiten
00:12:15: auszugestalten, neue Töne zu finden. Es ist, man sagt immer so spätromantisch, aber das ist auch ein Begriff,
00:12:24: wo man alles so nichts darunter sich vorstellen kann. Es ist aber auch ein Stück, das mit Vierteltönen zum Beispiel spielt.
00:12:32: Es ist ein Stück, wo eine singende Säge vorkommt, ein ganz absurdes, lustiges Instrument,
00:12:39: was von den Schlagwerkern gespielt wird. Es ist also der Versuch eigentlich, eine Geschichte mit allen
00:12:48: maximalistischen Forderungen so umzusetzen, um einen packenden Musikabend zu haben.
00:12:53: [Maria Gnann] Und warum braucht Enescu da die singende Säge?
00:12:57: [Florian Amort] Die singende Säge, das ist vielleicht auch ein exzentrischer Einfall. Vielleicht muss ich kurz vorstellen,
00:13:03: was ist das überhaupt? Es ist ein langes Blatt, was man vom Holz machen eigentlich kennt,
00:13:09: wenn man einem Baum durchschneidet. Das ist so eine lange Sägeblatt. Und das hat man als Musikinstrument verwendet,
00:13:16: hat natürlich keine Zacken, aber es gibt eben oben und unten so Griffe. Man spannt das.
00:13:21: Einerseits steht man mit dem Fuß auf einem Griff und das andere nimmt man und mit einem Kontrabassbogen,
00:13:26: streicht man dieses Blatt und das macht dann so, [Florian Amort stellt das Geräusch nach]. Und dieses Musikinstrument kommt
00:13:35: im zweiten Akt zur Verwendung, weil, was ist die Heldentat des Ödipus? Er besiegt die Sphinx.
00:13:43: Und beim Tod der Sphinx kommt diese singende Säge zum Einsatz. Also dieser Schrei, diese Kreatur,
00:13:51: so halblachend, halbsterbend, wie es auch in der griechischen Tragödie beschrieben ist,
00:13:57: dieses Ende illustriert Enescu mit einer singenden Säge.
00:14:02: [Maria Gnann] Ja, also das klingt exzentrisch, aber auch sehr pur. Und nur dreimal habe ich gesehen, wird die Oper
00:14:08: OEdipe von George Enescu in Bregenz zu sehen sein im Festspielhaus. Also da sollte man sich wahrscheinlich
00:14:14: ranhalten, mit dem Karten besorgen. In den nächsten Folgen werden wir oder wirst du bestimmt noch genauer
00:14:21: auf das Werk eingehen. Es gibt aber noch eine weitere Neuinszenierung, und zwar La Cenerentola
00:14:27: von Giacchino Rossini, also die italienische Version des Aschenputtels. 1817 habe ich gelesen,
00:14:34: wurde dieses Stück bei der Uraufführung ausgepfiffen. Kann das in diesem Jahr auch passieren?
00:14:40: Also wie wagemutig ist die Inszenierung? [Florian Amort] Nein, das glaube ich nicht, dass das bei uns passieren wird.
00:14:46: Wir haben mit Amy Lane eine tolle britische Regisseurin, die tatsächlich eine Vorstellung hatte von
00:14:55: so einem Funhouse. Also wir sind fast zu einem Rummelplatz. Cenerentola ist dort eine, die eben in so
00:15:03: einem Fahrgestell, wenn man so möchte, arbeitet. Und wir haben auch ein Karussell, wir haben ein
00:15:10: Rollerscooter und in diesem sehr spielerischen Kontext diese Inszenierung, glaube ich, wird
00:15:16: das ein toller Abend werden. [Maria Gnann] La Cenerentola von Rossini wird im Theater am Kornmarkt zu sehen sein.
00:15:22: Wir haben also gerade über zwei Produktionen abseits der Seebühne gesprochen, aber es gibt natürlich
00:15:28: auch was für die Frischluftfans und zwar eine Wiederholung aus dem letzten Jahr, weil die
00:15:34: Inszenierung auf der Seebühne in der Regel zwei Jahre lang gespielt werden. Und deswegen kommt
00:15:40: ein absoluter Publikumsliebling, der absolute Schrei vom letzten Jahr, könnte man glaube ich schon sagen,
00:15:45: nochmal auf die Bühne "Der Freischütz" von Carl Maria von Weber, den wir auch ganz am Anfang von
00:15:51: diesem Podcast haben anklingen lassen, die Overtüre gespielt bei den Bregenzer Festspielen 2024.
00:15:57: [Musik]
00:15:59: [Musik]
00:16:01: [Musik]
00:16:30: Ja, "Der Freischütz" Inbegriff der deutschen romantischen Oper, aber doch auch sehr anders dargestellt
00:16:36: in der Inszenierung von Philipp Stölzl. Philipp Stölzl kommt eher vom Film und stellt die Opernwelt
00:16:42: ganz gerne mal auf den Kopf. Man sieht, wenn man dieses Bühnenbild sich anschaut, ja ein sehr
00:16:49: windschiefes, düsteres Dorf nach dem 30-jährigen Krieg gemischt mit einem Eindruck aus so
00:16:56: Fantasy-Farben, würde ich sagen. Was macht diese Inszenierung aus deiner Sicht so besonders
00:17:02: und so gut zu wiederholen, sag ich mal?
00:17:08: [Florian Amort] Ich glaube, es gibt so zwei Sachen. Das eine ist der Ort und dann tatsächlich die Produktion selber.
00:17:14: Ich glaube, der Ort hat etwas ganz Magisches, um mal bei dem magischen Realismus zu bleiben,
00:17:20: den Philipp Stölzl für seine Produktion auch genannt hat. Man hat auf der einen Seite einen
00:17:25: wunderschönen Sonnenuntergang, es ist Sommer und wir blicken auf eine verschneite Landschaft
00:17:32: mit einem versunkenen Dorf. Also, Konträr-Faszination tut sich da auf. Dann die Produktion selbst.
00:17:39: Es gab einen praktischen Grund, warum das Bühnenbild so aussieht, wie es aussieht.
00:17:42: Wir haben den Betonkern, der seit 40 Jahren, glaube ich, da in dem Bodensee Wasser steht,
00:17:48: der brauchte eine Renovierung beziehungsweise wurde komplett abgetragen und wurde neu gebaut.
00:17:53: Und wir hätten eigentlich ein Jahr lang nicht spielen können, wenn wir nicht diese Bühne
00:17:59: soweit nach vorne gerückt hätten, dass eigentlich die Sängerinnen und Sänger bis an die erste
00:18:05: Zuschauerreihe eigentlich rankommen und durch diese geniale Idee mit so einem Wasserbecken,
00:18:13: also die Schauspielerinnen und Schauspieler spielen auch in einer Lagune, in einem Wasserbecken,
00:18:18: was Bodenseewasser ist und haben dann eine ganz andere Form von auch Präsenz und nach
00:18:25: dem "Freischütz" halb Schauspiel, halb Oper ist, es ist ein Singspiel, es gibt Dialoge
00:18:31: und auch viel mit Sprechen zu tun hat und man dann die Bühne nach vorne gerückt hat,
00:18:37: Es ist schon nochmal etwas, was man in all den 79 Jahren Bregenzer Festspielgeschichte
00:18:42: so noch nie gesehen hat.
00:18:44: [Maria Gnann] Wie sehr bangt ihr eigentlich um das Wetter?
00:18:47: [Florian Amort] Ja.
00:18:48: [Maria Gnann] Also ich hätte da ja schon 1000 Kerzen in der Kirche angezündet wahrscheinlich, jedes
00:18:53: Jahr.
00:18:54: [Florian Amort] Wir hatten letztes Jahr leider, oder Gott sei Dank, je nachdem eine einzige Vorstellung,
00:18:59: die wir absagen mussten, wo wir dann nach drinnen gegangen sind, also die Kartenkäufe in der
00:19:04: ersten, zweiten Kategorie dürfen dann im Festspielhaus Platz nehmen, zu einer
00:19:08: halbszenischen Inszenierung, alle anderen bekommen unter einer Spielzeit von einer Stunde, den
00:19:13: Kartenpreis zurückerstattet.
00:19:15: Wir hoffen natürlich immer, dass es schönes Wetter ist.
00:19:18: Man muss aber auch sagen, ich kann an die Generalprobe von letzten Jahr mich erinnern,
00:19:23: da wirklich mitten in der Wolfschluchtszene dann das richtige Gewitter kam und dann wir
00:19:29: die Generalprobe abbrechen mussten aus Sicherheitsgründen, aber das Naturspektakel auf der Bühne,
00:19:35: Donner, hinten der Bodensee, die Gewitterstimmung, Blitze, die über Lindau runtergehen, das
00:19:43: sind schon auch sehr beeindruckende Naturspektakel, die man da auch mitsehen kann.
00:19:47: [Maria Gnann] Das kann ich mir sehr gut vorstellen.
00:19:49: Wir hoffen natürlich auf so gutes Wetter, dass man auch ab und zu in den See springen
00:19:52: kann, 33 Tage dauern die Bregenzer Festspiel in diesem Sommer, ich habe gezählt vom 16.
00:19:58: Juli bis 17.
00:19:59: August finden Sie statt.
00:20:01: Wie viele Opern gibt es im Sommer 2025 zu sehen?
00:20:05: [Florian Amort] Also klassische Opern, wie man sich so Oper-Oper vorstellt, sind es drei, Freischütz, Oedipe,
00:20:11: La Cenerentola und dann haben wir noch Produktion auf der Werkstattbühne, die halt Musiktheater
00:20:16: sind, also die mit Crossgenre-Elementen arbeiten.
00:20:19: [Maria Gnann] Auf dieser Werkstattbühne sind drei Produktionen geplant.
00:20:23: Tanz, Musik, Gesang, Kostüme und sogar Lyrik gibt es in diesem Jahr dargestellt, durchaus
00:20:29: moderne Weise würde ich sagen.
00:20:31: Was sicher super gut ankommen wird, sind die beiden Produktionen, die du schon ein bisschen
00:20:36: angeteast hast von Tero Saarinen.
00:20:38: Auch er kommt aus Finnland.
00:20:40: Wie gesagt ist Tänzer und Choreograph und bringt zwei Arbeiten mit.
00:20:45: Ein ganz neues Stück, Study For Life, mit Musik seiner Landsfrau Kaija Saariaho, die 2023
00:20:54: leider verstorben ist.
00:20:56: Ihre Musik wird als glitzerig beschrieben von den Kollegen vom BR Klassik und es lässt
00:21:02: sich auch vielleicht ein bisschen die Weite der finnischen Landschaft durchhören, obwohl
00:21:06: Kaija Saariaho später in Freiburg studiert hat und schließlich in Paris heimisch geworden
00:21:11: ist.
00:21:12: Kannst du schon was zum Abend "Study For Life" verraten?
00:21:15: [Florian Amort] "Study For Life" ist eine sehr frühe Komposition von Kaija Saariaho.
00:21:20: Das ist ein Stück, bezieht sich auf Lyrik, auf ein Text von T.S.
00:21:26: Eliot und es geht schon auch in gewisser Weise um lebenslanges Lernen und auch die Verbindung
00:21:32: zwischen Tero Saarinen und Kaija Saariaho war sehr eng, sie waren befreundet.
00:21:38: Aber das muss man noch sagen, es ist noch nicht so weit, dass ich jetzt sehr viel mehr
00:21:43: dazu sagen könnte.
00:21:44: Wir sind aber sehr gespannt.
00:21:45: [Maria Gnann] Das zweite Stück von Tero Saarinen heißt "Borrowed Light"
00:21:49: Da ist auch seine finnische Tanzcompany involviert und das ist eine Arbeit, die inspiriert wurde
00:21:55: vom extatischen Schütteltanz der Shaker Bewegung einer Freikirche aus den USA.
00:22:02: Was geht uns dieses Tanzstück an?
00:22:04: [Florian Amort] Also es ist ein Stück, das ist so ein Art Signature Piece von Tero Saarinen und seiner
00:22:09: Company und zwar, wie du sagst, es ist inspiriert von diesem Schütteltanz, es ist auch was
00:22:14: sehr eigenwilliges vielleicht.
00:22:17: Es geht aber vor allem um Hingabe, um Leidenschaft und eben auch um diese Gesänge, die eigentlich
00:22:23: gar nicht so publiziert sind und das sind sehr rhythmische Elemente, die da vorkommen.
00:22:28: Es ist ein ganz tolles Spektakel aus Licht und Schatten mit schwarz und weiß und es ist
00:22:34: die österreichische Erstaufführung dieses Stücks. [Musik]
00:22:37: [Musik] Es ist ein A cappella Chor, also keine Instrumente, sondern
00:23:06: der Boston Camerata, was ein Profi Chor für frühe Musik ist, würde ich mal sagen, also
00:23:13: Early Music und die eben mit ihren A capella Stimmen dann diese Gesänge letztlich zum
00:23:20: Leben, erwecken.
00:23:21: Was die da genau singen, ist gar nicht so wichtig, Tero Saarinen, es sind Gospels, könnte
00:23:27: man sagen, aber es geht eben um diesen Spirit, um diese Emotionen, die man da vor allem hat.
00:23:33: [Maria Gnann] "Borrowed Light" hypnotisiert Tanzfans auf der ganzen Welt, schon seit 2004 führt es die
00:23:39: Tanzcompany von Tero Saarinen auf.
00:23:42: Ich könnte mir vorstellen, dass auch das dritte Werk auf der Werkstattbühne ein großes Publikum
00:23:47: ansprechen könnte, ein neugieriges Publikum vielleicht auch.
00:23:50: Es ist eine Produktion, die sich dem Werk einer Frau widmet, der Lyrikerin Emily Dickinson
00:23:56: 1830 in Amhurst in Massachusetts geboren, 1886 auch dort gestorben und erst vier Jahre
00:24:04: nach ihrem Tod, also 1890 wurden ihre Gedichte veröffentlicht, zu Lebzeiten sind wohl nur
00:24:10: eine Handvoll erschienen, von insgesamt 1775.
00:24:14: Florian, ich habe dich gebeten, ein Gedicht mitzubringen und würde mich sehr freuen,
00:24:22: wenn du uns das einmal vorlesen könntest oder zumindest einen kleinen Ausschnitt daraus.
00:24:25: [Florian Amort] Ich würde die erste Strophe mal vorlesen von dem Gedicht "They Shut Me Up in Pros"
00:24:33: und ich lese es dann gleich auf Deutsch vor in einer Übersetzung von Gunhild Kübler.
00:24:38: Das ist glaube ich auch sehr gleich führt uns rein, was eigentlich das Thema ist mit
00:24:43: Emily Dickinson.
00:24:44: Sie schließen mich in Prosa ein, wie ehe dem als Kind, als sie mich, dass ich still war,
00:24:52: wegsperrten in den Spind, still hätten wir sie gesehen, wie da mein Hirn sich drehte,
00:24:59: genauso könnten ein Vogelmann einpferchen als Verräter, er muss nur selber wollen und
00:25:05: wie ein Stern so leicht, schaut er herab auf sein Gefängnis und lacht, ich tue sie ihm
00:25:10: gleich.
00:25:11: Also man merkt da gleich Emily Dickinson, die ja so ein Einsiedlerleben da geführt hat,
00:25:20: die irgendwie abgeschottet war, nur Briefkontakte hatte und einfach völlig unkonventionell
00:25:28: für ihre Zeit gelebt hat, sehr ungewöhnliche Gedichte geschrieben hat, auch irgendwie
00:25:33: nicht studiert, sondern alle selbst beigebracht, also eine große Kraft, eine lyrische Kraft,
00:25:39: die wir da spüren und auch der Wunsch eigentlich nicht konform mit der Gesellschaft damals
00:25:47: zu sein, dass man eben als Frau nicht sich künstlerisch so weit betätigen kann und
00:25:52: dann eben dieser Spruch: "Sie haben mich in Prosa eingesperrt" und dann fliegt sie wie
00:25:58: ein Vogel weg und lacht darüber, das ist auch am Ende eine ganz tolle Pointe eigentlich
00:26:03: dieses Gedichts und das führt uns glaube ich auch zu diesem Stück, zu diesem Liederzyklus,
00:26:10: den Kevin Puts jetzt für uns schreibt, genau rein.
00:26:13: [Maria Gnann] Ich finde, es klingt fast ein bisschen wicked, obwohl sie keine britische Dichterin gewesen
00:26:18: ist, sondern eine US-amerikanische auch rätselhaft in ihrer Sprache.
00:26:24: Man hört also ihre Texte vertont in Originalsprache wahrscheinlich, von dem US-amerikanischen
00:26:32: Komponisten Kevin Puts, wie du sagst, was wird auf der Bühne passieren?
00:26:38: [Florian Amort] Es ist ein Stück, das maßgeschneidert ist für eine ganz bestimmte Kombo, nämlich wir
00:26:42: haben Kevin Puts als Komponist, der auch vor wenigen Jahren einen riesengroßen Erfolg
00:26:47: hatte an der Metropolitan Opera mit "The Hours" und bei der szenischen Uraufführung von "The
00:26:53: Hours" hat Joyce DiDonato mitgesungen, also das ist ja die US-amerikanische Mezzosopranistin
00:27:00: und er hat auch zusammen gearbeitet mit dem Streichtrio Time for Three und das ist sehr
00:27:06: spannend, weil es nämlich zwei Geigen und ein Kontrabass ist, also eine sehr ungewöhnliche
00:27:11: Streich Trio Kombination, genau, ein sehr ungewöhnliches Streich Trio, die aber auch singen.
00:27:16: Wir haben also mehr oder weniger vier Sänger von den drei auch noch auf Streichinstrumenten
00:27:22: spielen und die widmen sich dieser poetischen Welt von Emily Dickinson in 24 Gedichten und
00:27:29: wir haben auch einen Regisseur gefunden, der das alles inszenieren wird, Andrew Staples,
00:27:35: der auch als Tenor tätig ist, aber auch als Regisseur, also eine kreative Kraft eigentlich,
00:27:42: die ganz unterschiedlich begabt ist und der diesen Abend mitgestaltet.
00:27:48: Auch da ist es eine Uraufführung, wir haben schon erste Konzeptideen, aber wie es dann
00:27:54: wirklich genau aussehen wird, dafür muss man dann zur Uraufführung kommen im August
00:27:58: nach Bregenz.
00:27:59: [Maria Gnann] Gibt es eine Sängerin und Sänger, denen du Gesangsfreaks ans Herz legen würdest?
00:28:06: [Florian Amort] Wir haben ein Liederabend mit Hedvig Haugerud, einer norwegischen, jugendlich dramatischen
00:28:12: Sopranistin, die unter anderem den Lauritz Melchior Wagner Wettbewerb gewonnen hat, einen
00:28:19: sehr renommierten Gesangswettbewerb für Wagnerstimmen und sie kommt mit einem Liederabendprogramm,
00:28:27: da treffen Sibelius und Grieg, das sind vielleicht die zwei bekanntesten Komponisten, auch auf
00:28:33: Unbekannte, eben schwedische, norwegische und andere Komponisten und sie ist eine ganz
00:28:42: junge Sopranistin, die wirklich, glaube ich, ein Erlebnis ist, in diesem Liederabend zu
00:28:49: hören.
00:28:50: [Maria Gnann] Klingt auf jeden Fall sehr interessant auch vom Programm her, was ich persönlich ganz
00:28:55: toll finde, ganz anderer Aspekt, das schon zum fünften Mal in Folge das Wiener Burgtheater
00:29:01: im Bregenz gastiert, mit einem neuen Stoff von Ferdinand Schmalz, "bumm tschak oder der letzte
00:29:08: henker".
00:29:09: Warum heißt es im Untertitel ein Richtspiel?
00:29:12: [Florian Amort] Ja, eine Uraufführung, Ferdinand Schmalz, ein dezidiert politischer Autor würde ich
00:29:20: meinen.
00:29:21: Und Richtspiel, es geht ja um einen Henker und auch da, das Stück ist noch nicht fertig
00:29:27: geschrieben, es ist steht gerade in einer auch für Österreich sehr turbulenten Zeit
00:29:32: politisch gesehen und Ferdinand Schmalz spielt mit der Fiktion, dass es in nicht weiter
00:29:38: Ferne eine Bundeskanzlerin in Österreich gibt, die wieder die Todesstrafe einführen mag.
00:29:45: Und der Josef, der ist Clubbesitzer, der hat so ein Vorbild ist vielleicht zu viel, aber
00:29:54: der letzte Henker der K&K Monarchie hieß Josef Lang, der auch im Namen der Krone noch
00:30:01: hingerichtet hat und der mit Auszeichnungen überhäuft wurde, der verehrt wurde wie
00:30:07: ein Star, also eine ganz komische merkwürdige Faszination eigentlich für uns heute.
00:30:14: Man kennt, wenn man literarisch ein bisschen Erstausgaben mag von Karl Kraus "Die letzten
00:30:20: Tage der Menschheit", wenn man das Buch aufschlägt, das erste Bild, was man dann sieht ist wie
00:30:26: eben der Josef Lang mit einen hingerichteten possiert, den er hingerichtet hat und das
00:30:32: ist also die, sagen wir mal, historische Idee dieser Josef, daher der Name, der kommt aber
00:30:39: sonst in diesem Stück nicht so richtig vor, sondern es geht letztlich darum, dass diese
00:30:44: Bundeskanzlerin, dem Josef sagt, er ist eher jetzt doch der neue Henker sein soll, der
00:30:51: diese Todesstrafe verricht und er weigert sich und dann kommt es wie so oft, dass halt diese
00:30:56: Bundeskanzlerin sagt, ja, aber deine Flo oder dein Flo, der Autor hat in dem Teasertext
00:31:04: noch offen gelassen, ob Flo eigentlich eine Frau oder ein Herr ist, dass die Person aus
00:31:10: irgendeinem Grund in Untersuchungshaft sitzt und er könne sich ja da irgendwie nützlich
00:31:15: machen und mal schauen, wie man das hinbekommt und dann sind wir eigentlich vor solchen Entscheidungen
00:31:20: gestellt, soll ich eigentlich etwas machen, von dem ich weiß, dass es moralisch nicht
00:31:23: gut ist oder wie weit kann man Leute unter Druck setzen, dass sie etwas machen und gefügig
00:31:29: zu machen und mit dieser Ideenwelt spielt dieses neue Stück "bumb tschak oder der letzte
00:31:34: henker", auch da sind wir gespannt, was dann am Ende rauskommen wird.
00:31:38: [Maria Gnann] Und auch schon dieser Untertitel "Richtspiel", also ich finde, das zeigt irgendwie sehr
00:31:44: schön, was Ferdinand Schmalz oft macht mit der Sprache, weil eben jemanden zu richten
00:31:50: oder zu hän-, also als Henker tätig zu sein, da geht es ja wirklich ums Ganze und um
00:31:55: Leben und Tod, gleichzeitig ist es natürlich ein Theaterstück, Spiel, Richtspiel, gibt
00:32:00: so einen ganz kleinen Hint, wie dieser Autor tickt und inszeniert, wird "bumm tschak oder
00:32:07: der letzte henker" vom Direktor des Burgtheaters selbst, Stefan Bachmann.
00:32:11: Lass uns mal kurz zusammenfassen, wir haben bei den Bregenzer Festspielen in diesem Jahr
00:32:15: sechs Musiktheater und Cross-Genre-Produktionen, ein Schauspiel und den "Freischütz für Kinder",
00:32:21: also spezielle Vorführungen für Schulklassen, die bei ein paar Nummern sogar mitwirken dürfen
00:32:27: und vieles mehr, aber ihr möchtet auch Geschichten erzählen, ganz ohne Bühnenbild, vielleicht
00:32:33: hat nicht jeder auf dem Schirm wie viele Konzerte ihr auch anbietet, hast du gezählt?
00:32:38: [Florian Amort] Wir haben vier Orchesterkonzerte, wir haben ein Chorkonzert und wir haben sieben Kammermusikkonzerte
00:32:48: und noch einen Abend "Tango am See", wo wir die Montagehalle zum ersten Mal in Beschlag nehmen,
00:32:55: also ein etwas Club-Abend, würde ich das mal nennen.
00:32:59: [Maria Gnann] Du hast jetzt sehr viele aufgezählt Florian, welches Konzert willst du auf gar keinen Fall
00:33:04: verpassen, wo sieht man dich in der ersten Reihe?
00:33:07: [Florian Amort] Also ich bin bei allen Konzerten, im zweiten Orchesterkonzert mit Jukka-Pekka Saraste,
00:33:14: dann haben wir einen finnischen Nationalepos oder eine Geschichte aus dem finnischen Nationalepos
00:33:20: "Kalevala", das ist "Kullervo".
00:33:23: Ich kann jeden glaube ich das empfehlen, weil da nämlich ein 80-köpfiger Männerchor
00:33:28: auf der Bühne stehen wird und es ist ein Stück, was sehr selten eigentlich in Zentraleuropa
00:33:35: gespielt wird, aber auch einen Wiener Bezug hat, eben der erste Satz von "Kullervo" hat
00:33:41: Sibelius geschrieben, also eigentlich in Wien bei Bruckner studieren wollte, es gibt
00:33:45: also dadurch auch einen Wien Bezug oder einen Österreich Bezug in diesem Stück.
00:33:51: [Maria Gnann] Wenn man schon mal in Bregenz ist, Florian, was sollte man sich neben all den großen Erzählungen
00:33:57: und kleinen Erzählungen nicht entgehen lassen?
00:34:01: [Florian Amort] Wir haben den See natürlich, wo man auch schnell mal reinspringen kann, es ist immer wahnsinnig
00:34:06: schön im Sommer schwimmen zu gehen, man kann aber auch auf dem Berg gehen, auf dem
00:34:09: Pfänder, das ist so der Haushang von Bregenz, man hat natürlich, wenn man ein bisschen
00:34:15: mobiler ist und den Weg, man hat natürlich die Insel Mainau, man hat Lindau, man hat also
00:34:19: viele andere Städte um den Bodensee herum oder man kann auch einfach die Kulinarik
00:34:26: genießen, das Wetter, flanieren, man hat also viele Möglichkeiten, um eben Festspielzeit
00:34:31: zu erleben, wie ich es gemeint habe, es ist eine Zeit, die aus dem Alltag herausgehoben
00:34:38: ist.
00:34:39: [Maria Gnann] Wo gibt es die beste Eisdiele am Bodensee?
00:34:40: [Florian Amort] Das darf ich glaube ich nicht sagen.
00:34:42: [Maria Gnann] Okay, gut, ich probiere es beim nächsten Mal nochmal.
00:34:45: Das war es, ein erster Überblick über die Bregenzer Festspiele 2025, die vom 16.
00:34:51: Juli bis zum 17.
00:34:53: August 2025 stattfinden werden.
00:34:56: Tickets gibt es unter bregenzerfestspiele.com.
00:35:00: Und vielleicht werden sie ja der 10-Millionste Festspielgast sein, Florian hat mir im Vorfeld
00:35:05: verraten, dass es diesen Sommer so weit sein könnte, gibt es da auch ein Geschenk?
00:35:09: [Florian Amort] Ja, das wissen wir nicht, vor allem werden wahrscheinlich nur Besucher, Besucherinnen
00:35:14: sein, die unter 26 sind.
00:35:16: Das ist nämlich Teil unserer Young People's Night, das ist die Orchester-Hauptprobe von
00:35:20: "Der Freischütz", die wir exklusiv nur an Besucher unter 26 verkaufen.
00:35:25: Und da werden wir den 10-Millionsten Besucher begrüßen dürfen.
00:35:29: [Maria Gnann] Vielen Dank Florian Amort, Chefdramaturg der Bregenzer Festspiele.
00:35:33: Mein Name ist Maria Gnann.
00:35:34: Ganz, ganz herzlichen Dank für Ihr Interesse.
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